Die Akademie Steinwald-Fichtelgebirge besichtigt das einzige Eisenwerk in der Region.

Viele Pendler sehen das Eisenwerk Martinlamitz täglich auf der Zugfahrt zwischen Hof und Marktredwitz. Doch von außen sieht man dem Betrieb nicht an, welche besondere Produktion hier stattfindet. Bei einer Temperatur von mehr als 1.400° Celsius wird Eisen geschmolzen und aus der Schmelze werden extrem harte Produkte hergestellt.
Eine Gruppe von Mitgliedern und Freunden der Akademie Steinwald-Fichtelgebirge konnte den Produktionsprozess bei einem Besuch genauer unter die Lupe nehmen. Ausgestattet mit Sicherheitsschuhen, Warnweste, Helm, Augen- und Gehörschutz erhielten sie von Projektmanager Michael Schmutzler eine beeindruckende Führung durch die Werkshallen.
„Wir fertigen die etwas gröberen Teile“, so stimmte Schmutzler zu Beginn die Teilnehmer auf die auch etwas gröbere Art der Produktion ein. Die Lautstärke, die hohen Temperaturen, der Umgang mit schwerem Material und die häufigen Fahrten der Gabelstapler durch die Produktion prägen die Arbeit im Eisenwerk. Und die Mitarbeiter tragen ihre beeindruckenden Oberarmmuskeln nicht zur Schau, sondern brauchen sie für ihre Arbeit. Denn die ist wahrlich kein Zuckerschlecken!
Die einzelnen Produktionsschritte
Vorab wird im Modellbau über ein CAD-Verfahren ein exaktes Modell des späteren Bauteils aus Kunststoff gefräst. In der Kernmacherei werden die Hohlräume des späteren Bauteils durch sogenannte Sandkerne abgebildet, die in den Formkasten eingelegt werden.
Aus dem Außenlager werden die für die jeweiligen Produkte benötigten Mengen verschiedener Ausgangsmetalle wie Blechpakete und Stanzabfälle sowie Roheisen zum Induktionsofen gebracht und dort eingeschmolzen. Dabei wird die chemische Zusammensetzung einer Schmelzprobe in Echtzeit im Labor analysiert.
Das flüssige Eisen wird in einem feuerfestem Behälter zur Gießpfanne transportiert und ergießt sich in den Formkasten. Anschließend erstarrt das Gussstück und kühlt ab. Danach wird es aus der Form ausgeschlagen und der Formsand entfernt.
Die Angüsse, Speiser und Grate der Produkte werden mittels Sandstrahlen und Putzen beseitigt und im Tauchverfahren grundiert.
Nach der abschließenden Qualitätskontrolle können die fertigen Gussstücke versandt werden.
Wo werden die Erzeugnisse verwendet?
Im Eisenwerk Martinlamitz entstehen Produkte wie Achsen und Getriebe für schwere Fahrzeuge, die höchsten Belastungen standhalten müssen, ebenso Kompressoren. Die internationalen Auftraggeber kommen in erster Linie aus der Baumaschinen-, Nutzfahrzeug- und Landmaschinenindustrie.
170 Jahre Erfahrung in der Produktion haben das Unternehmen zu einem Spezialisten für Sphäroguss und Grauguss werden lassen. Die Gegenwart wird von moderner Technik, hoher Qualität, Zertifizierungen und dem internen Managementsystem geprägt. Und zukünftig werden die umweltschonende Ressourcennutzung und der serviceorientierte Umgang mit den Kunden weltweit eine immer größere Rolle spielen.
Ein kleiner Tipp zum Schluss: Möchten Sie mal ein Bauteil sehen? Dann krabbeln Sie mal – aber vorsichtig und nur mit Zustimmung des Fahrzeugführers! – unter einen Fendt-Traktor oder eine Caterpillar-Baumaschine. Ein in die Achse oder das Getriebe geprägtes „M“ weist zweifelsfrei auf das Eisenwerk Martinlamitz hin.

 

Besichtigung Eisenwerk in Martinlamitz